![]() |
| Wenn deutsche Läufer zu einem Wettkampf ins Ausland fahren,
dann eigentlich nur, wenn ein Marathon gelaufen werden kann. Nur in
Ausnahmefällen darf es auch einmal eine kürzere Distanz sein, z.B.
ein ganz besonderer Halbmarathon oder eine internationale Seniorenmeisterschaft.
Dabei gibt es auch viele kürzere Rennen, die so viel bieten, dass man
sie sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Eines dieser Rennen ist
die Cursa de Natale in Monaco über 10 km, die jedes Jahr Mitte Dezember
stattfindet.
Wer nun angesichts des exklusiven Austragungsortes glaubt, das Ganze wäre zu teuer für ihn, der sei beruhigt. Um diese Jahreszeit kann man für kleines Geld dem deutschen Winter entfliehen und ein paar Tage an der Cote d'Azur Sonne tanken. |
||
![]() |
![]() |
|
| Rund eineinhalb Stunden braucht man mit Air Berlin von
Düsseldorf nach Nizza und wer rechtzeitig bucht, der zahlt für
Hin- und Rückflug einschließlich aller Gebühren noch keine
100 Euro. Dabei bietet Air Berlin für das Geld deutlich mehr als andere
Billigflieger. Zeitung, Sandwich und Getränk sind im Preis mit drin,
außerdem gibt es ein Vielfliegerprogramm (Top Bonus).
Während die High Society von Flughafen Nizza aus mit dem Heli weiter nach Monte Carlo fliegt, fahre ich mit dem Bus ins Zentrum von Nizza. Wer deutsche ÖPNV-Preise gewöhnt ist, wird auch hier angenehm überrascht sein. Die Einzelfahrt kostet 1,30 Euro, die Tageskarte für Bus und Tram 4 Euro. Auf dem Weg von der Bushaltestelle zum Hotel sollte man den Bürgersteig vor sich immer fest im Blick haben, denn wohl in keiner anderen Stadt liegt dort soviel Hundescheiße wie in Nizza. Dabei sieht man im Straßenbild noch nicht einmal besonders viele Hunde, aber die, die es dort gibt, scheinen eine sehr ergiebige Verdauung zu haben. Ich wohne im Hotel Comte de Nice, wie auch bei meinen vorherigen Aufenthalten in Nizza. Das Hotel liegt zentral nur fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Die Zimmer sind zwar klein und spartanisch eingerichtet, dafür kostet die Übernachtung nur 27 Euro pro Nacht. Das Frühstück würde noch einmal 7 Euro kosten, doch da ich morgens eh kaum was runterbekomme, verzichte ich gerne auf diese Option. |
||
![]() |
Von Nizza aus braucht man mit dem Zug eine gute Viertelstunde nach Monaco. Auch Bahnfahren ist im Vergleich zu Deutschland relativ günstig, die Rückfahrkarte von Nizza nach Monaco kostet nur 6,40 Euro. Der Bahnhof in Monaco liegt unterirdisch unter den Häuserschluchten. Einer der dei Ausgänge führt direkt zum Hafen und dort befindet sich auch die Startnummernausgabe. |
| 12 Euro zahlt man an Startgeld, doch der Gegenwert kann sich sehen lassen.
Jeder Läufer bekommt einen Giveaway-Bag mit T-Shirt, einer Flasche Wasser
und einem Packet Kekse. Leider gibt es im Gegensatz zum letzten Jahr keinen
Rabatt-Gutschein für den Nike Store, schade. Was man aber vor allem
bekommt, ist eine der schönsten 10 km-Strecken der Welt. Der Kurs umfasst
die komplette Formel1-Strecke, sowie zwei zusätzliche Schleifen um auf
die Gesamtlänge zu kommen.
|
![]() |
|
| Gestartet wird am Hafen, direkt neben den Luxusyachten der
Superreichen. Nach wenigen Metern erreicht man Rascasse, jene Kurve, in der
Michael Schumacher letztes Jahr im Qualifying jenen Fahrfehler machte, der
ihn in der Startaufstellung ans Ende des Feldes brachte. Anschließend
geht es über die Start/Ziel-Gerade der Formel1-Strecke. Danach
verlässt man zunächst die Formel1-Strecke und macht sich auf den
steilen Anstieg zum Fürstenpalast. Doch der Weg lohnt sich, denn auf
dem Weg zurück zum Hafen hat man einen grandiosen Überblick über
den Hafen und das Panorama der Stadt. Nach einem Schlenker durch den Hafen
läuft man ein zweites Mal durch Rascasse und über die Start/Ziel-Gerade
der Formel1-Strecke, an deren Ende die Hälfte der Laufstrecke absolviert
ist. Nun geht es ein zweites Mal steil nach oben, hoch zum Casino. Hier befindet
sich der wohl wertvollste Parkplatz der Welt. Auf dem Bild unten sieht man
einen Mercedes CLK AMG, zwei Porsche 911 Turbo und einen 911 GT3, je einen
Rolls Royce und einen Bentley, sowie zwei Ferrari, die an den geparkten
Fahrzeugen vorbei fahren. Wohlgemerkt, dieses Foto ist nichts besonderes
und dort eigentlich jederzeit mit ähnlichen Autos reproduzierbar.
|
|
![]() |
![]() |
Vom Casino aus geht es dann wieder bergab durch das Geschlängel der Loews-Kurve. An deren Ausgang verlässt man die Formel1-Strecke ein zweites Mal und begibt sich auf ein Wendepunktstück, das die Läufer auf dem Rückweg über die Promenade direkt am Meer entlang führt. Dann geht es hinein in den Tunnel unter dem Loews-Hotel und während man hier durchläuft, kann man sich kaum vorstellen, dass die Formel1-Boliden hier mit weit über Tempo 200 durchbrettern. Kaum ist man aus dem Tunnel wieder heraus, sieht man auch schon wieder das Panorama der Stadt vor sich und ist es nicht mehr weit bis zum Zieleinlauf am Hafen. Keine schnelle Strecke, dafür eine wunderschöne. Ein Kritikpunk bleibt aber doch, denn es gibt keine Gepäckaufbewahrung während des Rennens und Schließfächer im Bahnhof gibt es auch nicht. Eine Helferin, die ich nach einer Ablagemöglichkeit für meinen Kleiderbeutel frage, meint, ich solle den Beutel irgendwo im Start/Ziel-Bereich ablegen. Wegkommen würde da nichts, schließlich wäre man ja in Monte Carlo. Gut, eine gewisse Logik hat dieses Argument, denn wer in Monte Carlo wohnt, hat es sicher nicht nötig, sich an einer fremden Plastiktüte zu vergreifen. Aber es ist auch weniger die Angst vor dem materiellen Verlust, schließlich habe ich nur ältere Sachen mitgebracht, als die Befürchtung, nach dem Rennen bei den doch recht frischen Temperaturen ohne warme und trockene Kleidung da zu stehen. So gebe ich meinen Beutel am Verpflegungsstand ab, wo ich ihn nach dem Rennen auch wohlbehalten wieder in Empfang nehmen kann.
|
|
![]() |
![]() |
Fast hätte ich auf das Erlebnis dieses Laufes jedoch verzichten müssen, denn ich hatte mich ein paar Tage vor dem Lauf erkältet. Erst am Wettkampftag entschied ich mich für einen Start, jedoch ohne irgendwelche sportlichen Ambitionen. Nachdem ich die erste Hälfte in 23:35 Minuten gelaufen war, konnte ich noch eine schnellere zweite Hälfte draufpacken und kam mit 46:12 Minuten auf Platz 592 ins Ziel. Damit war ich zwar über sechs Minuten langsamer als vor Jahresfrist, aber trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb habe ich unterwegs jeden Meter genossen. Wer nun Lust bekommen hat, im nächsten Jahr auch mal dabei zu sein: Infos zum Lauf findet man unter www.cursa.org |
|