Leichtathletik WM 2009 |
Berlin |
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| Zum zweiten Mal nach 1993 war Deutschland wieder Gastgeber
einer Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Damals hatte ich die Wettkämpfe
in Stuttgart live im Stadion miterlebt und es waren die Weltmeisterschaften,
die von vielen als die bisher stimmungsvollsten beschrieben wurden. In der
Hoffnung, eine ähnliche Stimmung noch einmal zu erleben, wollte ich
auch die WM 2009 live vor Ort verfolgen.
Beim Studium der Kartenpreise kommt dann aber schon erste Ernüchterung auf, denn auch an der Leichtathletikwelt ist in den letzten 16 Jahren die Inflation nicht spurlos vorüber gegangen. Gab es seinerzeit die günstigste Karte für das Gottlieb-Daimler-Stadion schon für 30 DM, so muss man nun für das preiswerteste Ticket über 40 Euro berappen. Gut, dafür gibt es statt eines Stehplatzes eine Kunststoff-Hartschale unter dem Allerwertesten, von der aus man die Athleten aus großer Entfernung beobachten kann. Will man aber näher am Geschehen dran sein, dann muss man für einen der besseren Plätze im Unterrang noch einmal deutlich mehr blechen. Nicht von Erfolg gekrönt ist mein Versuch, wie bei den Europameisterschaften in München 2002 über Beziehungen an Freikarten zu kommen, aber damit befinde ich mich in guter Gesellschaft. Selbst die DLV-Athleten mussten die Karten für ihre Familienangehörigen und nicht akkreditierten Heimtrainer zu regulären Preisen kaufen. So beschränke ich meinen Berlin-Aufenthalt auf drei Tage: Donnerstag und Freitag will ich die Wettkämpfe im Stadion verfolgen, Samstags den Männer-Marathon an der Strecke ansehen und anschließend den Champions Run auf der Marathon-WM-Strecke mitlaufen.
Immerhin gelingt es mir dann doch, über eine Internet-Auktion die Karte
für Donnerstag zehn Euro günstiger zu bekommen, die Karte für
Freitag kann ich mit ein wenig Verhandlungsgeschick mit der gleichen
Ermäßigung in Stadionnähe erstehen. |
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| Wer Berlino besuchen wollte, der musste tief in die Tasche greifen | |||
| Am Donnerstag stehen u.a die Vorläufe über 5000 m auf dem Programm, also die einzige Chance, mal einen deutschen Langstreckenläufer im Stadion zu sehen (Auf der Bahn, nicht auf der Tribüne). Highlights dieses Wettkampftages sind der Frauen-Hochsprung mit Ariane Friedrich (nur blöd, dass ich in der falschen Kurve sitze) und der 200 Meter-Weltrekord von Usain Bolt. Stimmungsmäßig kann hier Berlin locker mit Stuttgart mithalten, die Atmosphäre im Olympiastadion ist echt grandios. |
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| 5000 m Vorlauf mit Arne Gabius, Star des Abends ist Usain Bolt mit neuem Weltrekord über 200 m | |||
| Da am Freitag die Wettkämpfe erst am Nachmittag beginnen, nutzte ich den Vormittag zu einem Trainingslauf zum Platz am Wilden Eber. 16 Mal bin bin ich beim Berlin Marathon schon an diesem markanten Streckenpunkt vorbei gelaufen, ohne jemals das für diesen Platz namensgebende Borstenvieh zu Gesicht bekommen zu haben. Relativ unscheinbar steht die Statue auf einer großen Verkehrsinsel, umgeben von dichtbefahrenen Straßen. Nichts lässt vermuten, dass hier rund einen Monat später einer der spektakulärsten Punkte des Marathons ist.
Abends im Stadion kann ich dann die Hochsprung-Entscheidung der Männer
mit Bronze für Raul Spank mitverfolgen, diesmal aus nächster
Nähe. Auch der sprichwörtliche Favoritensturz von Abubaker Kaki
über 800 m spielt sich direkt vor meinen Augen ab. |
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| 1500 m der Frauen | |||
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| Das Olympiastadion mit der markanten blauen Bahn | |||
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| Olympiastadion bei Nacht | |||
| Am Samstag steht der Marathonlauf der Männer auf dem Programm. Start und Ziel sind am Brandenburger Tor, gelaufen wird auf einer 10 km-Runde, die auch Schauplatz des Champions Run ist. Zusammen mit Anne und Babsi sichere ich mir einen Zuschauerplatz direkt am Brandenburger Tor mit Blick auf die Videowand. So sind wir auch während des Rennens immer im Bilde und ich kann mir schon einmal anschauen, was mich beim Champions Run erwartet. Den Marathon gewinnt der Kenianer Abel Kirui, trotz der Wärme läuft er mit 2:06:54 Stunden einen neuen Meisterschaftsrekord. |
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| Das Marathonfeld kurz nach dem Start | |||
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| Martin Beckmann und Andre Pollmächer gemeinsam unterwegs, Falk Cierpinski mit Seitenstichen | |||
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| Der Spanier Martinez vor drei Portugiesen | Die Spitzengruppe, Abel Kirui in Führung | ||
| Nachdem der letzte Marathonläufer im Ziel ist, mache ich mich fertig für mein eigenes Rennen. Zum Glück begebe ich mich schon ziemlich frühzeitig zum Start, denn dort, wo vormittags 91 Marathonläufer gestartet sind, drängeln sich nun über 8000 Läufer an der Startlinie. In dem Getümmel ist es heiß wie in der Sauna, immerhin habe ich einen Startplatz relativ weit vorne. Eine schnelle Zeit ist aber nicht unbedingt zu erwarten, denn mittlerweile brennt die Sonne über Berlin. |
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| Vor dem Start | Im Tiergarten, nach der Hälfte der Distanz | ||
| Nachdem der Startschuss endlich gefallen ist, geht es doch überraschend gut los. Nur wenige wandelnde Hindernisse haben sich in den vorderen Startbereich verirrt, ansonsten halten sich die Überholvorgänge in Grenzen. So richtig schnell bin ich aber auch nicht unterwegs, dafür ist es mittlerweile einfach zu heiß. Außerdem möchte ich ich das Erlebnis WM-Strecke auch bewusst genießen. Um das WM-Feeling perfekt zu machen laufe ich im DLV-Nationaltrikot. Unterwegs werde ich sogar einige Male mit "Deutschland"-Rufen angefeuert. |
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| Unter den Linden, kurz vor dem Ziel | Geschafft... | ||
Nach 42:38 Minuten überquere ich auf Platz 614 (104. M40) die Ziellinie am Brandenburger Tor. Auf dem Weg von dort zum Treffpunkt mit Anne und Babsi am Hotel Adlon hält mir plötzlich jemand eine Deutschland-Flagge und einen Filzstift hin. Wenn ich es richtig gelesen habe, war es die Unterschrift von Asafa Powell, neben der ich mich verewigt habe. Anschließend merke ich, dass ich ganz vergessen habe, mir meine Medaille abzuholen, aber was soll's: Die deutschen Marathonläufer sind ja auch ohne Medaille nach Hause gefahren. Dafür nehme ich aber noch ein ziemlich schmerzhaftes Souvenir mit aus Berlin, denn kurz bevor ich zum Flughafen Tegel aufbreche, sticht mich eine Wespe in den Arm. |
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