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| 30. September 2007, 9.00 Uhr, Startnummer 1011, 4:12:01 | |||
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Vor dem Rennen
"Haben Sie das auch gehört?" Es ist der 26. September und ich liege
auf dem Behandlungstisch meines Orthopäden. Gerade hat es ziemlich geknackt,
nachdem er an meinem schmerzenden Zeh gezogen hat. Gehört habe ich es
auch, aber irgendwie kann ich es nicht so recht glauben, dass damit die
Schmerzen, die in den letzten Wochen kaum ein planmäßiges Training
zuließen, vorbei sein sollen. |
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| Eigentlich hatte ich mich im Geiste schon von einem Start in
Berlin verabschiedet und mich darauf eingestellt, wie im letzten Jahr das
Rennen vom Streckenrand aus zu erleben. Bei einem Testlauf über eine
knappe Stunde am gleichen Abend war ich zwar nicht schmerzfrei, aber immerhin
war es erträglich. Aber ob sich das auch über 42 km so anfühlen
würde? Außerdem waren maximal 20 km in der Woche in den letzten
Wochen alles andere als eine seriöse Marathonvorbereitung. Auf dem Flug
nach Berlin war mir klar, dass es kein einfacher Marathon werden würde,
aber wenn ich da schon gewusst hätte was mich unterwegs erwartet,
hätte ich wohl auf einen Start verzichtet.
So aber steht für mich erst mal das normale Marathon-Wochenendprogramm an mit Marathonmesse, Pastaparty usw. Gleich am Eingang der Marathonmesse läuft mir Jan Fitschen über den Weg. Er macht am Sonntag den Pacemaker für Alexander Lubina. Die 42,195 km durch Berlin |
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Nun stehe ich also mitten drin im riesigen Starterfeld und mitten drin ist sogar wörtlich zu nehmen. Nachdem ich in den letzten Jahren im Marathon nichts ordentliches mehr zustande gebracht habe, hat es mich bis in Startblock E zurückverschlagen. Irgendwie komme ich mir mit meinen superleichten Nike Air Zoom Katana Cage Wettkampfschuhen und dem eliterunning.de-Aufdruck auf dem Singlet etwas deplaziert in diesem Startblock vor. Aber da ich ja heute etwas ruhiger angehen lassen will, verzichte ich darauf, mich weiter nach vorne zu kämpfen. |
| Fast vier Minuten brauche ich bis zur Startlinie, danach kann ich zu
meiner eigenen Überraschung aber gleich relativ gut mein eigenes Tempo
laufen. Den ersten Kilometer absolviere ich in glatten fünf Minuten,
hochgerechnet wäre das eine Endzeit von 3:30 Stunden. Damit könnte
ich gut leben, allerdings macht sich schon jetzt mein Fuß bemerkbar. Nach vier Kilometern laufe ich zu Anne auf. Ich habe mit ihr gewettet, dass ich jeden 5 km-Abschnitt schneller laufe als sie. Ich gebe ihr einen Klaps auf den Hintern und überhole sie mit den Worten "...und der Fünfer ist meiner". Die 5km-Marke passiere ich nach 25:03 Minuten. Allerdings werden die Schmerzen in Fuß immer stärker, aber mit kurzen Gehpausen an den Verpflegungsstellen bleibt es erträglich. Irgendwann überholt mich ein Läufer mit zwei Beinprothesen. Junge, Junge, jetzt sind sogar schon Läufer ohne Beine schneller als ich, denke ich. Bei der Halbmarathonmarke macht sich so langsam auch die muskuläre Ermüdung in den Beinen bemerkbar. Schließlich bin ich schon fast zwei Stunden unterwegs, rund eine halbe Stunde länger als zu besten Zeiten. Aber die Zeit ist mir mittlerweile völlig egal, nur irgendwie ins Ziel kommen heißt jetzt mein Motto, während Haile Gebrselassie schon wenige Minuten später mit neuem Weltrekord gewinnt. |
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| Andi Bruns von Laufsport Bunert überholt mich, ich versuche mit
ihm mitzulaufen aber es reicht nur für einen knappen Kilometer, dann
muss ich Tempo rausnehmen. Nach km 25 werden die Gehpausen unterwegs immer
mehr und immer länger, aber immerhin die zwei Kilometer vor und nach
dem Wilden Eber laufe ich komplett durch. Als ich kurz danach wieder gehe, feuern mich drei Nonnen an. Ich bedanke mich bei ihnen und verspreche bis in Ziel durchzuhalten. Als ich bei km 31 wieder einmal im Fußgängertempo unterwegs bin, bekomme ich einen Klaps auf den Hintern. "Komm, lauf mit", ruft mir Anne zu, die mich überholt. Ich reiße mich zusammen und die nächsten Kilometer über den Kudamm laufen wir zusammen. Früher auf der alten Strecke wäre hier alles schon vorbei gewesen, aber jetzt kommt das Schlimmste erst noch. Bis zur Gedächtniskirche will ich aber auf jeden Fall bei Anne bleiben, denn dort sind die Fotografen von Actionphoto postiert. So könnten wir beide zusammen auf ein Foto kommen. Leider scheitert die Idee daran, dass uns kurz vor dem Fotografen ein anderer Läufer in die Quere kommt.
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| "Hör wie du läufst" steht über dem Eingang von Niketown
auf der Tauentzienstraße. Wenn sich das bei mir so anhört, wie
es sich anfühlt, möchte ich es lieber nicht hören. Bei km 35 geht bei mir dann gar nichts mehr, ich muss Anne laufen lassen. Für die nächsten fünf Kilometer bis km 40 brauche ich über 41 Minuten. Erst auf den letzten zwei Kilometern bis zum Ziel kann ich noch einmal bislang verborgene Kräfte mobilisieren und diesen Abschnitt komplett durchlaufen. Nach 4:12:01 (4:07:57 netto) bin ich endlich im Ziel, lasse mir die hart erkämpfte Medaille umhängen. Den aufregendsten Moment des Marathons erlebe ich nach dem Lauf am Kleiderzelt. Während ich auf dem Boden sitze und telefoniere, sehe ich, wie eine riesengroße Spinne direkt auf mich zukommt. Panisch versuche ich zu flüchten, aber mein Versuch schnellstmöglich wieder auf meine müden Beine zu kommen, sorgt vor allem bei den Läufern rundum für Heiterkeit. Ansonsten werde ich versuchen, diesen Marathon so schnell wie möglich zu vergessen, denn mit Sport hatte das absolut nichts mehr zu tun. Erstaunlicherweise konnte ich trotzdem noch mehr als die Hälfte aller Teilnehmer hinter mir lassen. Meine nächsten 42,195 km werde ich aber erst dann wieder in Angiff nehmen, wenn ich gesund und fit bin. |
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Meine Zwischenzeiten
5 km |
10 km |
15 km |
20 km |
Halbm. |
25 km |
30 km |
35 km |
40 km |
Ziel |
25:02 |
25:52 |
25:58 |
27:48 |
28:18 |
29:55 |
30:45 |
41:46 |
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25:02 |
50:54 |
1:16:52 |
1:44:41 |
1:51:09 |
2:13:00 |
2:42:55 |
3:13:41 |
3:55:28 |
4:07:57 |
| Das Rennen in Zahlen
Bruttozeit: 4:12:01 Nettozeit: 4:07:57 |